© Andrea Lunkenbein-Geck
St. Bonifaz, Lautertal
In der katholischen Filialgemeinde in Lautertal (mit Meeder und Wiesenfeld) leben etwa 700 Katholiken. Sie wurde von Heimatvertriebenen gegründet und war ursprünglich Filiale der Coburger Pfarrei St. Augustin. Seit 1967 gehört St. Bonifaz zur zweiten Coburger Stadtpfarrei, St. Marien.
Kirche St. Bonifaz
Die Kirche St. Bonifaz wurde 1956/1957 unter Pfarrer Paul Holzmann (Coburg St. Augustin) und mit Förderung durch den Lautertaler Fabrikdirektor Franz Soll sowie dem Kirchbauverein errichtet. Mit dem Entwurf war Architekt Josef Rauschen (Coburg) betraut. Am 25. August 1957 fand die feierliche Weihe der Kirche statt. 1958 kamen zwei Glocken auf den Glockenbogen. Sie tragen die Namen Franziskus und Maria. 1986 wurde zur Verbesserung der Optik - leider zum Nachteil der Akustik - eine Holzverschalung eingebaut. 1994 erst konnte aus Burghausen/Salzach eine Schmid-Orgel mit 9 Registern auf 2 Manualen und Pedal erworben werden.
Die Form der Kirche stellt eine Parabel dar. Es ist ein bergender Raum, ein Zelt Gottes auf Erden für uns Menschen, Ort seiner Gegenwart.
Beim Eintreten in den Kirchenraum begleiten den Besucher und Gläubigen links und rechts einfache Kreuzwegstationen. Der Bronzeambo zur Linken als Ort der Wort-Gottes-Verkündigung trägt einige Seligpreisungen aus der Bergpredigt (Mt 5-7). Der Glaube kommt vom Hören (Röm 10,14). Die Aufnahme in die christliche Gemeinde und Kirche erfolgt dann durch die Taufe. Das Kreuz , der Leuchter mit der Osterkerze und das Taufbecken bilden somit eine sinnvolle Einheit zur Rechten. In der Mitte der Kirche steht der Altar aus Wallenfelser Frankenwaldmarmor als Ort der Vergegenwärtigung Christi und der Danksagung, der Eucharistie. Somit sind durch die eine christliche Taufe die beiden Tische des Wortes und des Brotes gedeckt. Zwei Figuren nach gotischen Vorbildern in Ton und aus Holz zur Linken und zur Rechten verweisen auf Maria, die Mutter des Herrn, die Mutter der Kirche, und auf den Heiligen Bonifatius, den Apostel der Deutschen (+ 05.06.754), den Patron des Diasporawerkes der deutschen Katholiken mit Sitz in Paderborn. Geistige Erneuerung, d.h. Reform und Einheit der Urchristen, d.h. Ökumene sind wichtig in der Zerstreuung, der Diaspora.
Glasfenster St Bonifaz
Am bedeutendsten und beeindruckendsten ist das bis zu 7 Meter hohe Glasfenster von Bringmann & Schmidt aus Coburg in Antikglas. Es lebt von der Spannung zwischen dem Fensterbogen und seiner Umkehrung im Bild. Es stellt den triumphierenden Christus und sein Heilswerk dar. Es faßt die Theologie des Völkerapostels Paulus mit den Polen Tod und Auferstehung des Herrn zusammen. Unten sehen wir eine dunkle, graue und violette Zone. Sie steht für die Passion, das Leiden Christi und auch unser Leid; denn wir sollen nach Kol 1,24 an unserem Leib ergänzen, was an den Leiden Christi noch fehlt. Dann nimmt uns die goldgelbe Zone des Lichtes, der Auferstehung, der Auferweckung vom Tod durch Gottes Kraft und Macht in Bann. So wird das Dunkel des Todes, der Sünde und des Leids in der Welt vom österlichen Licht erhellt und verklärt. Athletisch gebaut tritt uns Jesus als gekrönter Christkönig von dem Kreuz, welches als grünender Lebensbaum der Hoffnung gezeichnet ist, entgegen. Es heißt: Wenn ich von der Erde erhöht bin, werde ich alle an mich ziehen (Joh 12,32) und an anderer Stelle: Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und unter Lasten stöhnt, ich werde euch Ruhe verschaffen (Mt 11,20). Der blaue saphirartige Edelstein am Kopf Christi mag auf das himmlische Jerusalem der Apokalypse, dem letzten Buch der Bibel, hinweisen oder auf Sach 10,4: Aus dem Haus Juda kommt ein Edelstein. So singen wir in einem ökumenischen Kommunionlied: Mein schönste Zier und Kleinod bist auf Erden du, Herr Jesu Christ! Als Licht der Welt schenkt Jesus Leben (Joh 8,12). Vom Herzen Jesu gehen Strahlen der Gnade aus. Aus seinem Inneren strömen die Wasser des Lebens (Joh 7,38) Wir dürfen schöpfen aus den Quellen des Heils (Jes 12,3). Im österlichen Licht sollen auch wir einst verklärt und verwandelt werden zum ewigen unsterblichen Leben. Die roten Feuerzungen des Pfingstereignisses (Apg 2,3). die wie Blutstropfen aussehen, symbolisieren die 7 Gaben des Heiligen Geistes: Stärke, Wahrheit, Gebet, Trost, Freiheit, Heiligkeit und Liebe. Bei Jes 11,1 heißt es: Geist der Weisheit und der Einsicht, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Gottesfurcht. Noch mehr sind die 7 Sakramente der Kirche gemeint: Taufe, Eucharistie, Firmung, Weihe, Ehe, Versöhnung und Krankensalbung. Christus ist als das menschgewordene Wort Gottes das Ursakrament, das Zeichen des Heils für die Welt. Seine Kirche ist Grundsakrament im Heiligen Geist. In den Einzelsakramenten wird dies für das Leben der Glaubenden entfaltet. Dies ist in unserem großartigen Glasfenster enthalten.
St. Bonifaz ein gelungener moderner Kirchenbau. Möglicherweise ist er sogar inspiriert von Le Corbusiers Marienwallfahrtskirche in Ronchamp/Frankreich von 1955.